Klare Bekenntnisse zu Europa
09.04.2019

Klare Bekenntnisse zu Europa

Podiumsdiskussion an der Bornheimer Europaschule

Lang und länger wurde die Schlange der Schüler, die ans Mikrofon traten, um eine Frage an die Politiker zu richten, die sich am Donnerstag in der Europaschule einer Diskussionsrunde zur Europawahl gestellt hatten. Die viel beschworene Politikverdrossenheit sieht anders aus! Das „Open Mic“, also das offene Mikrofon, wurde genutzt, um Themen wie den europäischen Mindestlohn, Migration, die geplante EU-Urheberrechtsreform oder eine CO2 -Steuer anzusprechen. Der gesamte Vormittag diente für die Klassenstufen Q1 und Q2 der Vorbereitung auf die im Mai bevorstehende Europawahl, und die Schüler zeigten großes Interesse.

Parteivertreter konnten sich in drei Sätzen vorstellen.
Sechs Gesprächspartner hatten die beiden Lehrer Esther Stienen (Politik) und Henrik Holtbernd (Geschichte) zu dieser Podiumsdiskussion eingeladen. Alle Parteien hätten spontan zugesagt, freute sich Stienen. Die beiden Schülersprecher Alexander Thomas und Philipp Kunz – er „outete“ sich gleich als überzeugter Europäer – moderierten.
Im „Kandidaten-Dreisatz“ hatten Isabel Casel (Die Linke), Daniel Freund (Grüne), Oliver Krauß (CDU), Panagiota Boventer (SPD) Jessica Gaitskell (FDP) und Dr. Rolf Böhnke (AfD) die Gelegenheit, sich in drei Sätzen vorzustellen. Unisono gaben alle ein Bekenntnis zu Europa ab, haben aber durchaus allem differenzierte Zukunftsvorstellungen für das Bündnis.

„Pikante und scharfe Fragen“ hatten die beiden Moderatoren, die Schülersprecher Alexander Thomas und Philipp Kunz (r.), für die Parteienvertreter vorbereitet. Foto: Kehrein

Unterschiedliche Aussagen bezüglich Macron
Was die Parteienvertreter denn vom Vorstoß des französischen Präsidenten Emmanuel Macron halten, der sich mit einem in Tageszeitungen veröffentlichten Brief an die Europäer gewandt hatte, war die nächste Frage. Auch hier gab es ein differenziertes Bild: Nur ein vereintes Europa sei eine Zukunft gegen Nationalismus, sagte SPD-Vertreterin Boventer und begrüßte Macrons Initiative, für AfD-Vertreter Böhnke hingegen war „Frankreich immer schon ein nationalistischer Staat“, der sich „Europa unter dessen Führung sehr gut vorstellen kann“.
Aus Sicht von Oliver Krauß „stand Europa noch nie so sehr auf der Kippe wie jetzt“. Es sei gefordert, die Ursachen von Flucht in den Griff zu bekommen. Kritik kam von Grünen-Vertreter Freund: Macron habe sehr gute Vorschläge gemacht, aber die Bundesregierung gehe nicht darauf ein. Für die Linke „muss Europa ein Friedensprojekt bleiben“, und die FDP „begrüßt den Brief ausdrücklich“.

„Fridays for Future“ als brandheißer Diskussionspunkt
Brandheißer Diskussionspunkt war natürlich die Bewegung „Fridays for Future“, die die schwedische Schülerin Greta Thunberg ins Leben gerufen hat. Was die Parteienvertreter denn davon hielten, wollten die Moderatoren wissen. „Das, was wir nicht gut gemacht haben, bekommen wir jetzt jeden Freitag ins Stammbuch geschrieben“, zeigte Oliver Krauß Verständnis für die Proteste. Und es greife einfach zu kurz, nur darüber zu diskutieren, „ob man dafür die Schule schwänzt“. Es sei „toll, wenn junge Leute sich einsetzen“, lobte Jessica Gaitskell. Sie sei „begeistert davon“, unterstrich Panagiota Boventer. Für Daniel Freund ist es „traurig, dass junge Menschen dafür auf die Straße gehen müssen“. Isabel Casel sieht die Freitagsproteste als „gelebte Demokratie“. Rolf Böhnke monierte, es seien „keine Arbeiter oder Gewerkschafter mitgegangen“. Dieser Themenkomplex hatte offenbar den Nerv getroffen, denn es gab besonders lautstarken Applaus.

„Pikante und scharfe Fragen“ stellte Moderator Philipp Kunz für die „heiße Minute“ in Aussicht. Im „Duell“ traten dabei jeweils zwei Parteienvertreter an und hatten genau eine Minute Zeit für ihre Antworten. Interessante Konstellationen ergab die Auslosung: AfD gegen Grüne, Linke versus CDU und SPD gegen FDP. Die große Stoppuhr aus dem Physikunterricht lief unbarmherzig herunter während der Statements zum Uploadfilter, zum Mindestlohn und Visionen von Europa im Jahr 2030.

Von Jacqueline Rasch, Rundschau-online

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